Zunächst möchte ich euch eine Frage stellen: Was bedeutet Vergebung für dich? Was bedeutet für dich jemanden zu vergeben?
Es ist schwierig für uns zu beschreiben was Vergebung bedeutet, was alles damit zusammenhängt. Am Einfachsten würden wir sagen, dass unsere Schuld getilgt ist. Das wir wieder von vorne anfangen können, frei von Last und Druck sind. Das ist es auch was wir als Christen tun, wir fangen wieder neu an und sind frei von Last und Schuld. Wenn wir erkennen, dass wir etwas Falsches in Gottes Augen (Plan) getan haben, beten wir zu Gott und bitten um Vergebung. Wir bekennen unsere Schuld offen und ehrlich ohne etwas zu rechtfertigen und wissen, dass Gott uns vergbit. Dann machen wir weiter und fangen von vorne an. Aber reicht das? Ist es so einfach?
Eine Frau trifft sich mit Freunden, die Gespräche drehen sich um dies oder das. Bis sie plötzlich sich alle auf ein Thema einschlagen. Einen Menschen, der sie alle das ein oder andere mal verletzt hat. Am Anfang sind die Aussagen noch recht harmlos. Aber schon bald steigert man sich in die Verletzung hinein und dann folgt ein hässliches Wort dem anderen. Am nächsten Tag fühlt sie sich deswegen nicht gut. Sie reflektiert die Gespräche von gestern und merkt, dass sie Unrecht an dem Menschen getan hat, der sie damals verletzte. Sie erkennt, dass sie falsch gehandelt hat und ihr Gewissen dies offenbart. Sie geht auf die Knie und bittet Gott um Vergebung. Sie legt ihm alles hin, was sie falsches gesagt hat. Und dann? Dann macht sie weiter, frei von jeder Schuld. Denn Jesus hat alle Schuld am Kreuz getragen. Ihr wurde vergeben.
Wirklich? Ist es so einfach? Ein Gebet, offen und ehrlich vor Gott zu sein, alles hinzulegen und um Vergebung bitten und dann befreit weiter zu machen? Mehr braucht es nicht?
Ich denke hier fehlt etwas.
Petrus kommt einmal zu Jesus und fragt ihn: „Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Ist’s genug siebenmal?“.
Jesus gibt ihm das Gleichnis vom Schalksknecht zur Antwort. Nachzulesen in Matthäus 18,21-35.
Jesus macht hier deutlich, dass wenn uns der Vater alles vergibt, wo wir sündigen, wir ebenso bereit sein sollen unseren Mitmenschen zu vergeben.
In dem Beispiel oben zeigt sich, dass man dem Menschen, der einem verletzt hat noch nicht vergeben hat. Es tut noch weh, was er einem angetan hat und deshalb steigert man sich in die verletzenden Worte hinein. Ja es ist nicht einfach, dass abzulegen was einem Unrechtes angetan wurde. Aber wir müssen uns vergegenwärtigen was wir anderen (bewusst ode unbewusst) angetan haben. Wo wir andere durch unsere Worte oder Taten veletzt haben. Dies alle wird uns Gott vergeben, wenn wir zu ihm Beten und unsere Schuld bekennen. Wenn wir in unserer Verletzung klar machen, wie viel uns Gott vergibt, wird es einfacher meinem Mitmenschen zu vergeben. Gott möchte uns vergeben, aber er kann uns nicht vergeben, wenn wir unseren Mitmenschen nicht vergeben.
Deshalb lehrt uns Jesus im Vater unser „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigen“.
Aber es braucht noch mehr. Für mich ist der Gedanke zu einfach, zu sagen: „Vater vergib mir meine Schuld.“ und dann befreit einfach weiter zu machen. Wenn ich an jemanden schuldig geworden bin, sollte ich den Mut aufbringen und auch denjenigen um Vergebung bitten. Das lehrt uns schon die Welt, dass wir wenn wir etwas Falsches getan haben, die Konsequenzen dafür tragen müssen. Sind wir zu schnell gefahren, müssen wir die Strafe zahlen. Es reicht nicht zu sagen „Oh es tut mir wirklich leid und ich mache es auch nicht wieder“. Aber auch bei Jesus zeigen sich immer wieder Menschen, die ihre Schuld erkennen und alles wieder gutmachen wollen. Zachäus zum Beispiel der alles was er zu viel von den Menschen genommen hat, vierfach zurück zahlen will. Oder auch Paulus, der nach seiner Umkehr sich voll und ganz in den Dienst Christi stellt.
Im obigen Beispiel wäre es z. B. angebracht, bei den Freunden um Vergebung zu bitten, dass man so über den anderen hergezogen ist und das dies nicht in Ordnung war.
Lasst uns den Mut aufbringen auch Wiedergutmachung zu leisten.
