Warum fällt es uns so schwer unsere Fehler zu erkennen und auch öffentlich einzugestehen?
Fehler sind nichts Angenehmes und wir lernen schon früh (als Kinder), dass sie Konsequenzen haben. Nun sind manche Konsequenzen für uns schlimmer zu ertragen als andere. Dennoch lernen wir, wenn wir Fehler machen, haben wir etwas Unangenehmes zu erwarten. Deshalb fangen wir an unsere Fehler zu verstecken. Leider machen wir dadurch die Situation noch schlechter. Der Fehler ist zwar da, aber wir können ihn nicht korrigieren, da er ja möglichst versteckt bleiben soll. Der Teufelskreis beginnt.
Ein weiterer Grund ist, dass wir es nicht richtig gelernt haben, was ein Fehler ist und wie wir damit richtig umgehen können. Gerade in der Kommunikation miteinander wissen wir meist nicht, was wir hätten nicht sagen sollen, weil es falsch war und den anderen verletzt hat.
Wie oft reflektieren wir Gespräche und überlegen wo wir vielleicht jemanden verletzt haben? Und selbst wenn Gespräche reflektieren, warum überlegen wir zuerst wo uns der andere verletzt hat? Sehr selten kommen wir zu dem Punkt zu überlegen, wo wir das falsche Wort ausgesprochen haben.
Ja, wir müssen mit uns selbst zurechtkommen und sich selbst immer nur zu fragen, wo ich was falsch gemacht habe, ist anstrengend. Dies dann auch noch zu korrigieren und um Vergebung zu bitten, ist noch anstrengender und erfordert auch Mut bzw. Kraft.
Deshalb versuchen wir unser Handeln uns selbst gegenüber zu rechtfertigen:
„Ich habe das ja gar nicht so gemeint….“
„Ich habe ja nur die Wahrheit gesagt….“
„Ich habe das ja nur getan, weil dies oder jenes …. „
Schon ist es kein Fehler mehr, sondern es hat einen Grund warum ich das so gemacht, gesagt habe.
Dies ist gefährlich und führt uns zum nächsten falschen Schritt. Ich frage nicht mehr wenn die Gründe wieder so sind, ob ich dann das nächste Mal anders handeln würde. Ich hinterfrage mich nicht mehr.
Der Grund rechtfertigt mein Handeln.
Ok, sind wir fair. Manchmal fragen wir uns selbst noch, hätten wir anders handeln können. Und vielleicht erkennen wir auch noch, dass es vielleicht ein wenig unangebracht war. Aber den nächsten Schritt gehen wollen wir dann doch nicht. Um Entschuldigung zu bitten, stellt für uns eine Hürde dar, die wir häufig nicht überspringen möchten. Aber warum ist das so?
An dieser Stelle ein kleines Beispiel:
Ein Mann geht in eine Bäckerei und möchte Brötchen kaufen. Da drängelt sich eine Frau einfach vor. Der Mann schnauzt die Frau an und sagt: „Ey, ich war zuerst da, stellen Sie sich gefälligst hinten an.“. Die Frau bricht in Tränen aus und verlässt die Bäckerei.
Der Mann rechtfertig sein Handeln: „Die hat sich vorgedrängelt, deshalb habe ich mich beschwert. Hätte die sich nicht vorgedrängelt, wäre ich nicht so zornig geworden. Außerdem habe ich ja nur gesagt, was richtig ist.“
Die Frage stellt sich ihm gar nicht, ob er wieder so handeln würde, wenn sich jemand vordrängelt. Denn er hat ja nur so gehandelt, weil die Frau den Fehler gemacht hat. Er hat keinen Fehler gemacht.
Und ja vielleicht denkt er noch darüber nach, er hätte es freundlicher sagen können. Und ja vielleicht will er es beim nächsten Mal tun. Aber auf den Gedanken zu kommen, die Frau zu suchen und sich bei ihr zu entschuldigen, dass er überzogen reagiert hat, dieser Gedanke kommt nicht.
Die eigene Verletzung werten wir höher, als die Verletzung, die ich dem anderen zugefügt habe.
Wir müssen trainieren/üben bei uns zuerst anzufangen. Was habe ich falsch gemacht und wofür möchte ich mich beim anderen entschuldigen? Und ganz besonders üben sollten wir uns zu entschuldigen. Je häufiger ich mich entschuldige, desto leichter wird es mir in Zukunft fallen.
